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Die Rapper-Transformation: schlanke Hose für alle

HipHop is back_tip

Die guten Nachrichten zuerst? Kein Problem: HipHop macht schlank! Oder anders formuliert: HipHop verdirbt dir vielleicht einfach den Appetit. Und das wäre dann erst wieder interessant, wenn es jemand als Diätplan verkaufen würde. Als »Schmeckt-Nicht-Transformation« meinetwegen.

Deswegen zur nächsten guten Nachricht: »HipHop is back«, so titelt nämlich das Berliner Stadtmagazin »tip« im April. Im Heft gibt es einen Beitrag von Marcus Staiger, ein Interview mit Ben Salomo und noch ein paar andere brauchbare Dinge, die leider schon im Editorial von Chefredakteurin Stefanie Dörre ganz unnötigerweise relativiert werden. Denn natürlich muss zuerst erklärt werden, dass es in Berlin auch »HipHop über Gangsta-Rap und Baggy Pants hinaus« gibt, und dass das »auch Hipster und Mittdreißiger« interessiert, »weil HipHop inzwischen weniger aggro ist, mehr Spaß und mehr Sinn macht.« Sie erwähnt traditionsbewusst Grandmaster Flash und »Wild Style« und beruft sich darauf, dass das Magazin schon seit 1972 existiert, greift aber lieber auf Staigers Expertise zurück, wenn es darum geht, »was alte Helden wie Kool Savas heute machen«. Sicher ist sicher.

Das Editorial schließt wie folgt: »PS: Mir gehen die sexistischen Texte vieler Rapper auch tierisch auf den Sack. Aber sogar in der Chauvi-Ecke tut sich was.« Schade nur, dass diese emotionale Anmerkung da einfach so stehenbleibt, anstatt dass man zugunsten einer ernsthaften Beschäftigung mit dem Thema auf ein paar Veranstaltungstipps verzichtet. An den richtigen Gesprächspartnern hätte es jedenfalls nicht gemangelt.

Eine tragische Geschichte hat zuletzt einen Rapper namens Andre »Christ Bearer« Johnson an die Oberfläche des Boulevards gespült. Als Teil der West Coast Killa Beez – die gab es wirklich – hat dessen Gruppe Northstar vor zehn Jahren ein RZA-produziertes Album veröffentlicht. Johnson, der kürzlich aus dem zweiten Stock sprang, nachdem er »sich zuvor zerstückelt« hatte, verantwortet damit unfreiwillig über doppelt so viele Wu-Tang-Schlagzeilen wie kurz zuvor der Stunt mit dem geplanten Album-Unikat.

Und zuletzt bleiben noch die üblichen, unterhaltsamen Verwirrungen, wenn es um Jobbezeichnungen geht: Die »Gala« nennt Ice Cube 23 Jahre nach seinem Kinodebüt »Boyz N The Hood« allen Ernstes einen »Schauspiel-Neuling«. Die »Bild« verhört sich bei »Happy« ein wenig und titelt über Pharrell »Der coolste Rapper der Welt WEINT!«. Und die Tatsache, dass der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister sich den Ex-Musiker Bastian Fleig als Sprecher und Redenschreiber geholt hat, inspirierte den »Reutlinger Generalanzeiger« schon vor Wochen zur unerwarteten Überschrift »Vom Räpper zum Sprächer«. »Rapper, das sind die mit dem megalässigen Sprechgesang, die in XXL-Klamotten über die Bühne turnen.« Danke, ist schon gut. Wir klären das mit Chris Brown.

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