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#shitpeoplewrite

Dem Rüpel auf der Spur

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Wir haben’s jetzt alle gelesen: Aesop Rock benutzt 7.400 verschiedene Wörter, DMX nicht einmal halb so viele und niemand weiß, ob verschiedene Belllaute in dieser Studie von Matt Daniels überhaupt korrekt ausgezählt wurden. Die »Süddeutsche« übersetzt all das eher grobkörnig. So attestiert man dort E-40, einer der »Erfinder« von Slang im Allgemeinen zu sein, und in einer wundervoll germanischen Wendung wird Outkasts häufiger Gebrauch von Kofferwörtern (das Original nennt da »ATLiens« und »Stankonia«) mit dem Beispiel »Teuro« illustriert. Wenn André und Antwan auf denglisch über Mechatronik rappen, sagt mir bitte Bescheid.

Mit weitaus kleinerem Wortschatz kommt die Presse klar, wenn ganz elegant Antipathien anklingen sollen – dafür gibt es nämlich den »Rüpel«, laut Duden eine »als Scheltwort gebrauchte frühneuhochdeutsche Kurzform des männlichen Vornamens Ruprecht« und längst ein beliebtes Instrument, wenn es um das abschätzige Verschlagzeilen von Musikern geht. Davon kann Bushido ein Lied singen, denn in den letzten Jahren scheint er die Bezeichnung »Rüpel-Rapper« fast für sich gepachtet zu haben. Wie weit das geht, zeigen zunächst die vorgeschlagenen »verwandten Suchanfragen«, wenn man Google nach »rüpel rapper« befragt, Stand April 2014:

bushido freundin
bushido news
bushido streit mit sarah connor
bushido sido echo
bushido bürgermeister
(…)

Die Beispiele hierfür würden jeden Rahmen sprengen. Das beinhaltet Besonderheiten wie »Rüpel-Sänger« und den vom Tagesspiegel verliehenen Titel »Dr. h.c. Rüpelrapper« (im selben Artikel wird netterweise auch Matthias Matussek als Rüpel bezeichnet), und für keinen Anderen wurde und wird der Begriff so oft in den Medien verwendet, keine Frage. Aber es gibt Konkurrenz. Allen voran Sido, bei dem die Vokabel auch passt, wenn er eigentlich ganz entspannt drauf ist: »Auch ein Rap-Rüpel wird irgendwann erwachsen« heißt das dann, »Zwischen Rüpel-Rapper und Volkssänger« oder »Vom Rüpel-Rapper zum braven Bürger mutiert?«, als wäre das Nichtrüpeln plötzlich ungesund. Sogar auf Kay One hat das abgefärbt (»Rüpel Rapper Kay One macht seinem Namen alle Ehre.«), und bei Kollegah und Farid Bang liegt der Verdacht natürlich auch nahe. Nicht zu vergessen: »Jahrelang galt Ferris MC als Rüpel-Rapper Nummer eins.«

Im internationalen Wettbewerb kann natürlich nur ein Multitalent vorne liegen: der »Rüpel-Rapper«, nein, »Rüpel-Sänger«, nein, »Rüpel-R&B-Sänger« Chris Brown. Abgeschlagen (no pun intended) dahinter: mal DMX, mal 50 Cent (»Rüpel-Rapper schreibt Erbauungsliteratur«) oder, und das ist besonders gut: Vanilla Ice. Weil er Miley Cyrus disst.

Die Frühgeschichte des Rüpel-Rappers in den Medien ist nicht ganz klar. Zwar hieß Bushido im »Spiegel« schon 2005 so (in »Hart wie Nutella«), aber überlieferte Beispiele von 2001 legen nahe, wer der Ur-Rüpel-Rapper der Neuzeit sein könnte: Eminem. Ganz ernsthaft, Crowd: Ältere Belege sind sehr willkommen. Und dass sich der Begriff »Balladen-Bubi« (2003 auf laut.de) als Gegenstück nie durchsetzen konnte, ist schon ein bisschen schade.

Abschließend bleibt ein trauriger Blick auf »Mundmische«, ein Portal für »Spaß an Umgangssprache«, das ich auf der Suche nach dem Ursprung des Rüpeltums gefunden habe, und das weit darüber hinaus mit User-generierten Begriffen wie »Bananenmusik« (»Afro-Amerikanische Musik wie z.B. HipHop oder Rap«), »Negergeschimpfe« und anderen erhellenden Beiträgen glänzt. Ist das jetzt also unser Urban Dictionary? Ich weiß es nicht. Aber: »Mein Kaffee ist so schwarz, der fängt gleich an zu rappen«. Yo.

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