Zum Fest: 15 prächtige Glockenbeats

Heiligabend und HipHop: inhaltlich nicht unbedingt die nächsten Verwandten. Anders auf der Instrumental-Ebene: dort bimmelts alle Jahre wieder. Simon Langemann machte sich daher auf die Suche nach 15 der glockigsten Beats der jüngeren Deutschrap-Historie.

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Wie SSIO sich im Intro von »Illegal, Legal, Egal …« über das schäbige Instrumental mokierte, um dieses anschließend von einer Dubstep-Dampfwalze überrollen zu lassen: sicherlich einer der Deutschrap-Momente 2013. Das geflügelte Wort »Ist das ein Glockenbeat?« war auf dem Debütalbum des Bonners zwar nur eines von vielen, dürfte die nächsten paar Jahre aber unter so ziemlich jedem YouTube-Release aufkommen, das mit dem berüchtigt-käsigen Sound kokettiert.

Doch auch Stand heute hat sich Rap-Deutschland schon eine ganze Menge unverblümter Glockenbeats zusammengepickt. Pünktlich zur Bescherung präsentieren wir euch 15 Prachtexemplare.

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  • »Illegal, Legal, Egal …« (2013) SSIO

    Zur Einstimmung führen wir uns noch mal den ersten Part von »Illegal, Legal, Egal …« zu Gemüte – hier als Prolog zum »Unbekannter Titel«-Clip. Für die Musik zeichnet Trap-/Boombap-/Pop- und offensichtlich auch Glockenbeat-goes-Brostep-Tausendsassa GEE Futuristic verantwortlich.

  • »Karate« (2014) Kollegah feat. Casper

    Kollegahs Reunion mit Casper: die eigentliche Initialzündung, das Glockenthema überhaupt wieder aufzugreifen. Was die Selfmade-Hausproduzenten Hookbeats und Phil Fanatic hier bastelten, hinkt dem State of the Art zwar leicht hinterher, besteht den in der Hook proklamierten »Bruchtest« aber durchaus bosshaft.

  • »Egal« (2011) DNP

    Selten passt SSIOs Wortlaut so gut wie hier. Aber schon okay: Dem nicht allzu ausgeklügelten Konzept, Robert-Enke-Fans und Joseph-Fritzl-Opfer mit dem Holzhammer zu provozieren, steht vermutlich nichts besser zu Gesicht als ein »scheiß verfickter, billiger Glockenbeat«.

  • »HHH Pt. 2« (2013) Ali A$ feat. Marsimoto & Motrip

    Ali A$ reimt »soulige Samples« auf »elektronische Klänge«, doch musikalisch bleibt hier beides eher außen vor. Stattdessen: eine zuckende 808-Snare und ein alles überstrahlender Glocken-Loop. Kann man machen.

  • »Unser Weg« (2009) Tone feat. Jeyz

    Absolut prädestiniert für Glockenbeats: Tone, Jeyz und das erweiterte Bozz-Music-Camp (†). Auf der Suche nach weiteren Schmuckstücken müsste man im damaligen Frankfurter Umfeld nur unwesentlich tiefer diggen. Behaupte ich jetzt mal.

  • »Was willst du« (2008) Favorite

    Auch Favorite gehört nicht unbedingt zum Schlag Rapper, dessen Faible für Glocken einen sonderlich überrascht hätte – gerade zu »Anarcho«-Zeiten.

  • »Tatooine« (2014) Curse

    Am schönsten klingen die Glocken aber eh dort, wo man sie nie erwartet hätte. Etwa – wenn auch in unkonventioneller, weil überaus wertiger Ausführung – als Opener des diesjährigen Curse-Comebacks »Uns«.

  • »Zurückgelassen« (2012) Die Orsons

    Oder bei den Orsons, deren schlaflose Nacht in »Zurückgelassen« ein ununterbrochenes Glocken-Ostinato begleitet.

  • »Ringelpiez mit Anscheißen« (2009) K.I.Z.

    Nicht wenige halten »Sexismus gegen Rechts«, seinerzeit Major-Zweitling und würdiger Royal-Bunker-Sargdeckel zugleich, für die bis heute stärkste K.I.Z.-Platte – und meinen damit nicht zuletzt die grandiose R’n’B-Persiflage »Ringelpiez mit Anscheißen«. Kaso Keys am Beat – oh mein Gott, ist das romantisch!

  • »Generation Andi« (2014) Karate Andi

    »Dieser scheiß Kartoffel-Döner Beat bei dem… schön staccato die Glocken geordnet ohne jegliche Form von musikalischer Interessantheit…«

    Ehrlich gesagt liegt der YouTube-Nutzer Krauski damit gar nicht mal so daneben – doch dessen wird sich 7inch durchaus bewusst gewesen sein. Sein puristisches Brett hat schließlich trotzdem was.

  • »Satan« (2014) eRRdeKa

    Ein zäher Max-Mostley-Brocken. »Ich kann mir vorstellen, dass viele da erstmal die Boxen leiser drehen«, prophezeite eRRdeKa in der »Juice«. Recht hat er.

  • »Optimist« (2010) JAW

    Während die »Koryphäe der Medikation« ihre seelischen Abgründe auslotet, samplet Nowak für dieses an Glockenbeatigkeit kaum zu übertreffende Instrumental die Titelmelodie zum Videospiel »Bully«.

  • »Shrimps mit Reis« (2014) Money Boy

    »Alles, was Swag hat: I’ve been done.« Dazu zählt Mister Sebastian Meisinger aka Lil Young aka Glo Up Dinero Gang CEO – wie ihr bereits wisst – deutlich mehr als einen Glockenbeat.

  • »Alles brennt« (2014) Zugezogen Maskulin

    Das Game um den Glockenbeat des Jahres 2014 gewinnen aber eindeutig Zugezogen Maskulin, beziehungsweise der zuständige Producer Silkersoft. Dieser ruft noch mal in Erinnerung, für welche melodiösen Motive sich Glocken immer noch am besten eignen: Unbehagen, Düsternis, Ekel. »Ihr wollt HipHop, wie er früher war?« Im Angesicht dieses 808-Monsters: niemals.

  • »Weihnachtssong« (2003) Sido

    Zum Schluss drehen wir den Zeiger nochmal um genau elf Jahre zurück, denn irgendwer muss einen auf die Schnelle ja noch in besinnliche Festtagsstimmung versetzen. In diesem Sinne: »Machs dir gemütlich, dicke Socken und Tee / Und denk dran: Du brauchst noch Flocken für Schnee.«

  • Abazudemz

    Der Glockenbeat der Betty Ford Boys fehlt! Insanity Clause!

  • typische deutsche Frau

    Scheiß Glockenbeats. Glocken gehören abgeschnitten und ne Mumu dahingestochen.