Rap inna di Dancehall mit Trettmann

Jamaikanische DJs haben HipHop erfunden und auch sonst haben die Genres Dancehall und HipHop mehr miteinander zu tun, als man oft denkt. Trettmann hat für ALL GOOD 15 Songs zusammengestellt, um die Artverwandtschaft und Fusion zu verdeutlichen.

Trettmann
HipHop und Dancehall – zwei Namen, zwei Musikrichtungen aus Übersee, die man hierzulande gerne voneinander trennt. Bei genauerem Hinsehen jedoch fällt auf, dass beide nicht nur gleiche Wurzeln haben, sondern sich seit Dekaden gegenseitig befruchten und miteinander fusionieren. In den US-amerikanischen Enklaven westindischer Auswanderer genauso wie in UK, Kanada oder im Herkunftsland Jamaika hat man sich längst frei gemacht von Genregrenzen und Begrifflichkeiten und featuret munter hin und her. Was ursprünglich mit Remixen auf B-Seiten die Runde machte, gehört inzwischen zur Normalität. Zu verdanken haben wir all das Menschen wie Kool DJ Herc, der Anfang der Siebzigerjahre die in Jamaika erlebte Soundsystemkultur nach New York brachte. Und sonst: Doug E. Fresh, Special Ed, Bushwick Bill, Biggie – allesamt haben jamaikanische Eltern! Die afrikanische Diaspora, Sklaverei, der Kampf um Unabhängigkeit, die Bürgerrechtsbewegung – es liegt auf der Hand, dass man viele Gemeinsamkeiten hat und die gleiche Geschichte teilt.

Natürlich ist bei der Fusion nicht alles Gold, was glänzt. Deswegen haben wir einen Experten gefragt, ob er uns mal seine Lieblings-Features zusammenstellen könnte: Trettmann. Im Januar begeisterte der Dancehall-Direktor bereits mit der »KitschKrieg«-EP. Jetzt schiebt er Teil 2 gleich hinterher und selbstredend ist auch das nichts als die Hitze! Aus einer nicht einfachen Auswahl von 50 Songs, hat Trettmann nochmals 15 ausgewählt, um die Artverwandtschaft und Fusion zu verdeutlichen. Mit den Worten von Asher D und Daddy Freddy: »We Raggamuffin HipHop.« Let’s go!

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  • Boogie Down Productions »The Bridge Is Over« (1987)

    Ich glaube, das ist der erste HipHop-Song mit Dancehall-Anleihen, der mir begegnet ist. Das Instrumental basiert auf einem Sample des Super-Cats-Song »Boops« auf dem gleichnamigen Riddim. KRS chattet teilweise Patwa und zitiert dazu auch noch Barington Levy (»Tell dem again mi come fi tell dem again…«). Dieser Song wird als bekanntester der »Bridge Wars« (Bronx vs. Queens) gehandelt und hat maßgeblich die Kariere von MC Shan beendet. Wobei dieser erst Anfang April (diesen Jahres!) nochmal gegen KRS geschossen hat, also quasi 30 Jahre zu spät.

  • Poor Righteous Teachers »Easy Star« (1991)

    Poor Righteous Teachers – Easy Star from Phil Maillard on Vimeo.

    Poor Righteous Teachers flogen hierzulande leider immer etwas unterm Radar. Auch ich hab sie erst wahrgenommen, als ihr zweites Album »Pure Proverty« rauskam. Charakteristisch sind auch hier wieder Patwa-Brocken und Reggae-Sing-Sang im Mix mit Conscious-Rap. Gefühlt lief die Platte bei mir damals ein ganzes Jahr hoch und runter und gab mir gute Vibes während meines Abiturs.

  • Born Jamericans »Warning Sign« (1994)

    »How dem gonna manage the kids from foreign are out to do damage?«, singt Notch mit süßer Stimme auf dem Stalag-Riddim, und Edley Shine liefert die DJ-Parts. Ein Konzept, das vorher auch schon bei Chaka Demus & Pliers funktioniert hat, nur verweisen hier die HipHop-lastigen Beats auf die Herkunft der Kids, nämlich Washington DC. Für mich damals ein sehr leichter Einstieg in die Soundsystem Culture und den Reggae/Dancehall-Kosmos. Das Album »Kids From Foreign« höre ich heute immer noch gern.

  • Whitey Don feat. Phife Dawg, Chip Fu »Articall« (1995)

    »Everytime you see Malik him mashin’ up dancehall…« Ich glaube wirklich, ich hab von keinem MC so viel gelernt wie von Phife. Er hat es einfach verstanden! Egal auf welchem Song er reinkommt, man hat schon nach den ersten zwei Bars das dringende Gefühl, die Platte zu pullen. Hier haben wir eine lustige Kombi von dem aus Toronto stammenden Reggae-Singer Whitey Don, zusammen mit den beiden MCs aus NYC mit Wurzeln in Trinidad. Chip Fu kennt man natürlich von den Fu Schnickens, dort glänzte er auch schon mit seinem hardcore DeeJay-Style.

  • Bounty Killer »Cellular Phone Remix« (1996)

    Was für 1 Remix! Bounty deejayed seinen Nummer-Eins-Song über einen Blend aus den Instrumentalen von Bush Babees »Remeber We« kombiniert mit Group Homes »Supa Star« und Mobb Deeps »Shook Ones«. Ich hab damals in einem Plattenladen gearbeitet und glaube, alle existenten Platten bei Groove Attack
    aufgekauft zu haben. Nur damit sie kein anderer kriegt. (lacht) Fragt DJ Ron und Schletti.

  • Shyne feat. Barrington Levy »Bad Boyz« (2000)

    Barrington Levy – neben Jr. Reid einer der wahrscheinlich am häufigsten gesampleten Reggae-Künstler – übernimmt hier den Backgroundgesang. Das in Jamaika gedrehte Video vermittelt auch dank bubbelnden Girls und Soundsystem-Speakern den originalen Yard-Vibe. Man mag von Shyne halten, was man will, aber den Song mag ich. Etliche Remixe auf diesem Beat regierten für ein ganzes Jahr die Dancehall.

  • C.N.N. feat Wayne Marshall, Lexxus »Anything Goes« (2003)

    Anything Goes (Director’s Cut) von C.N.N. auf tape.tv.

    Def Jam hat sich damals dem Thema dieser Liste mit einem ganzen Sampler angenommen. Unter dem Namen Def Jamaica konnte man Vybz Kartel an der Seite von Julez Santana, Cam’ron zusammen mit Buju Banton oder DMX featuring Sean Paul und Mr. Vegas hören. Cooles Projekt, aber leider blieb der Nachfolger aus.

  • Alicia Keys & Cham »Ghetto Story Chapter 2« (2005)

    Einer der größten Dancehall-Hits überhaupt, produziert von einem der beständigsten und besten Produzenten der Insel: Dave Kelly. Dieser Song lief überall, auf jedem Reggae- und HipHop-Dance. Es gab damals kein Entrinnen. Nachdem das Original schon durch die Decke schoß, sprangen Alicia Keys und Akon auf und übernahmen die Perspektive des Im-Ghetto-Aufwachsens. Zu guter Letzt schnappte sich auch noch Lil Wayne das Instrumental und strahlte mit einem Freestyle.

  • Vybz Kartel feat. Akon, Shabba Ranks, Sizzla Kalonji »Gun Session« (2006)

    Ein wunderschöner Gun-Song, auf dem sich die Big Names der Dancehall zusammen mit Akon gegenseitig die Wumme geben. Wo das mitunter enden kann, sieht man bei Vybz Kartel, der wohl 73 Jahre alt sein wird, wenn er aus dem Knast kommt.

  • Jah Cure feat. Rick Ross & Mavado »Like I See‬« (2010)

    Mit dem Maybach durch Kingston: Jah Cure, einer meiner Lieblingssänger, zusammen mit dem Gully Gad und dem Ex-Schwergewicht Ricky Rozay. So einfach lässt sich also HipHop mit einem Offbeat kombinieren. Ich könnte mir vorstellen, dass eben dieser Song auch als Vorlage für Snoop Lion gedient hat.

  • Kanye West feat. Big Sean, Pusha T, 2 Chainz »Mercy« (2012)

    Das einzige, was hierbei an Dancehall erinnert, ist das immer wiederkehrende Sample mit dem Intro-Gott Fuzzy Jones. Dieser hat sich seinen Namen bei einer Western-Legende entliehen und ist auf unzähligen Songs und ganzen Alben zu hören. Selbst Smiff-N-Wessun haben sich für ihr »Sound Bwoy Burial« ein Intro von ihm sprechen lassen.

  • Kano feat. Vybz Kartel »Buss It Up« (2012)

    Oh, Überraschung: Auch Kanos Großeltern kommen aus Jamaika. Insgesamt gibt es zwei Kombinationen dieser beiden Top MCs. Irgendwie fühlt man auch, wie es Kartel Spaß macht, mal über ein Grime-Brett zu flowen. Kano ist übrigens öfters auf der Suche nach Features aus Westindien. Siehe auch »Alien« featuring Popcaan.

  • Mavado feat. Nicki Minaj »Give It All To Me« (2013)

    Die aus Trinidad-Tobago stammende Nicki wird hier von Schirmherr DJ Khaled mit dem Gangster-Singer Mavado kombiniert. Schöne Nummer, wie ich finde, und auch nicht Nickis einziger Ausflug in Richtung Dancehall. Check: »Freaks« mit French Montana.

  • Jamie XX feat. Young Thug, Popcaan »Good Times« (2015)

    Wunderschön, wie plötzlich alle Reggae-Nazis, eine Produktion von Jamie XX abfeiern und diesen Ausnahmekünstler nicht mal kennen, geschweige denn mit dem Arsch angucken würden. Bei Jamie XX kommt zusammen, was zusammen gehört. Er steht exemplarisch dafür, wie die UK-Szene funktioniert und man sozialisiert wird, wenn man in London aufwächst.

  • GZUZ feat. Bonez MC »9MM« (2016)

    Eeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiinsssaaaaaaaachtsiiiiiiieeeeebeeeeeeeeen.