Die DNA von JAMs »16zu9«
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01 Azad
Als ich »Napalm« zum ersten Mal gehört hab, hab ich kein Wort verstanden. Dann hab ich »Mentale Krisen« auf »Fett MTV« gesehen. Ich bin in die Läden gerannt und fand kein Album dazu, weil es nur auf der »Gegen den Strom«-Maxi war. Ich habe das Lied einen Monat am Stück gehört und kann Azads Part immer noch komplett auswendig. Dieser Mann hat mich einfach gepackt – seine Aussagen, sein Charakter. Als er mein Video zu »Unten« auf Twitter gepostet hat, war das ein Feiertag für mich. Er kam auch zu einem meiner Auftritte in der Stadthalle Offenbach. Als er mir Props gab, da hätte ich meine Karriere beenden können. Mehr geht für mich nicht. Ich bin Romantiker. Ich habe nie einen Cent mit der Musik gemacht, aber in meinem Kopf ist Azads Ritterschlag die wichtigste Wertschätzung überhaupt.
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02 Prince
Mein Vater war riesengroßer Prince-Fan, hatte jedes Album, aber auch die Filme wie »Purple Rain« und ganze Konzerte auf Video. Die Musik von Prince war daher sehr prägend in meiner Kindheit und Jugend. Ich habe Prince auch einmal in Mainz live gesehen. Vielleicht hört man das nicht unbedingt in meiner Musik, aber er war schon ein wichtiger Einfluss für mich.
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03 Marius Müller-Westernhagen
»Freiheit« ist unglaublich. Für mich einer der besten deutschen Songs aller Zeiten. Wenn du die Live-Version hörst und die Fans den Text singen, kriegst du jedes Mal eine Gänsehaut – obwohl du weißt, dass diese Stelle gleich kommt, weil du es schon tausendmal gehört hast. Das ist auch Musik, die ich durch meinen Vater kennengelernt habe. Der hat alles gehört, von Michael Jackson über Jethro Tull bis BAP und Ringsgwandl. Dank ihm bin ich ein richtiger Musikkenner. (grinst)
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04 Helge Schneider
Mein größter Held nach Azad. (grinst) Für mich der Gott. Er macht nie das, was du erwartest. Ich habe ihn auch schon live gesehen, in der Alten Oper in Frankfurt. Das kam auch über meinen Vater. Ich feiere auch alle seine Filme: »Texas«, die »00 Schneider«-Reihe … Ich schaue übrigens auch sehr viel politisches Kabarett: Volker Pispers, Hagen Rether. Mit acht Jahren hab ich mir schon auf dem Walkman Kassetten von Hanns Dieter Hüsch angehört, die ich von meinem Opa hatte. Daraus ziehe ich mir viel mehr Inspiration für meine Texte als aus anderer Musik.
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05 Nas
»If I Ruled The World« war die erste HipHop-Single, die ich mir gekauft habe. Das war natürlich ein großer Hit und ist daher heute ein ziemliches Klischee. Jeder kennt diesen Song. Genau so könnte ich ein paar andere Songs aus dieser Zeit nennen: »I Got 5 On It« von Luniz, »Keep Their Heads Ringin’« von Dr. Dre, »What’s My Name« von Snoop Dogg, »California Love« von 2Pac. Ein Kollege hatte damals so einen typischen HipHop-Sampler, da war das alles drauf.
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06 Wu-Tang Clan
Die waren damals in der Stadthalle in Offenbach. Da war ich 12, 13 Jahre alt und kannte sie noch nicht, aber die Älteren in der Schule haben alle darüber geredet. Jeder in Offenbach hat auf einmal von Wu-Tang gesprochen. Das hörte sich einfach geil an: »Wu-Tang«! Natürlich sind wir nach der Schule gleich in den Plattenladen gerannt und haben uns die das »Wu-Tang Forever«-Album gekauft. Ich kann dir gar kein spezielles Lied nennen, wir haben das von vorne bis hinten durchgepumpt. Die Stimmung, die Beats, die Crew, die Posse … wir haben das richtig gefühlt, Alter. Ich bin jeden Morgen mit dem Walkman in die Schule gelaufen und dachte, ich bin Method Man. (lacht)
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07 Beginner
Nachdem ich von US-Rap angefixt wurde, bin ich schnell in die deutsche Richtung gedriftet. Ich muss einfach sagen, ich verstehe nicht besonders gut Englisch. Ich fühle die Beats und den Flow, verstehe aber die Texte nicht. Das Absolute-Beginner-Album »Bambule« hab ich dann totgehört, ich kenne jeden Song auswendig. Das denkt man vermutlich nicht. »Rock On«, was für ein Beat das war! Das hat mich gefesselt, diese Drums, die Snare … und dann Eißfeldts Part: (singt) »Sei doch mal ehrlich…« Von da an hab ich mir alles gegeben, ich bin ein echtes Deutschrap-Kid: Samy Deluxe, Freundeskreis, Rödelheim, Sabrina Setlur, Tone, D-Flame, Torch, Brothers Keepers, Moses Pelham … Ich komme von dieser Schule. Ich lege Wert auf Texte und Inhalt, mehr noch als auf Flow und Technik. Heute musst du dich ja beinahe entschuldigen, wenn du jemandem erzählst, dass du deutschen HipHop machst.
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08 Bushido
Ich feiere »Vom Bordstein bis zur Skyline« bis heute. Wir wollten damals Rapper sein, aber meine ganzen Freunde waren eher Typen wie Bushido. Wir trugen 5XL-Trainingsanzüge, mein Kumpel Murat trug G-Star, Alphajacke und Reebok Classics. Der Murat hätte aber nie gerappt. Für uns war es krass zu sehen, dass so Typen wie er jetzt auch rappen, verstehst du? (lacht) Wir hätten uns ja nie getraut, über Yayo zu rappen oder so. Wir hatten damit zwar auch zu tun, haben das aber nicht thematisiert, weil wir einfach von einer anderen Schule kamen. Uns hat »Bordstein« krass geflasht in Offenbach.
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09 Haftbefehl
Wir kennen uns aus Offenbach und haben schon zwei Songs miteinander gemacht. Ich bin stolz auf ihn. Der Haft ist einfach real. Er hat mit »Azzlack Stereotyp« was Neues in Deutschland gestartet. Mich stört es nur, dass alle jetzt auch so rappen wollen wie er. Das war ja bei Bushido ähnlich: Alle wollten auf einmal so sein wie er. Geschafft hat es trotzdem keiner. Haft ist überkrass. Ich feiere auch SSIO, überkrasser Typ. Überhaupt Alles oder Nix: Wenn Gangsta-Rap, dann wie Xatar. Wer ist bitte so Gangster? Dem kann ich jedes Wort abnehmen.
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10 JAM
Der Beginn meiner eigenen Zeitrechnung, damals noch mit den Drama Monks aus Stuttgart. Ein komplettes Album mit 14 Songs, für das ich die erste Aufmerksamkeit bekommen habe. Der nächste große Schritt war die »Unten«-EP und jetzt eben mein Album »16zu9«. Gebt euch das!