Young Krillin »Ich habe wegen Lil B mit dem Rappen angefangen.«

Auch im Sommer 2016 kommen die spannenden Releases immer noch aus Österreich. Etwa »Salamanderschnops« von Aloof: Slangin und Young Krillin. Im Interview erzählt Young Krillin, wie es zu der gemeinsamen Großtat kam und einiges mehr.

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»Ich bin an erster Stelle Fan und an zweiter Stelle erst Rapper«, gab Young Krillin vor einiger Zeit bei den Kollegen vom »splash! Mag« im Interview zu Protokoll. Das macht neugierig. Anlässlich der Veröffentlichung seines »Salamanderschnops«-Tapes mit Aloof: Slangin videotelefonierte Jan Wehn mit dem Salzburger. Im Interview spricht das 28-jährige HVNUSCHPLVTZFLXW-Mitglied über die Ursprünge seines Fantums, die frühe Dopeness von Eko Fresh, die Wichtigkeit von Lil B für seine eigene Musik und das neue Tape.

  • Wie bist du überhaupt zum Fan geworden?

  • Mir ist sehr spät aufgefallen, dass es überhaupt Rap gibt. Als Kind wächst du ja mit ganz viel verschiedener Musik auf und damals lief auch schon Rap im Radio – aber ich habe nie zwischen Pop oder Rap unterschieden. Für mich war das alles nur Musik. Das erste Mal, dass ich Rap bewusst wahrgenommen habe, war mit Dr. Dre. ABer dann habe ich Dilated Peoples und »Worst Comes To Worst« gehört und wollte mir das erste Mal ein Album bei Amazon bestellen. Dort wurde auch schon damals angezeigt, welche Alben einen außerdem noch interessieren könnten. Da wurde mir »Jurassic 5« von Jurassic 5 vorgeschlagen und ich habe beide CDs bestellt. Nach und nach habe ich mir dann auch noch andere Sachen bestellt, ohne dass ich sie überhaupt kannte. Ich hatte keinen Freundeskreis, der mir irgendetwas hätte empfehlen können – also musste ich selber aktiv werden.

  • Amazon schlägt einem ja meistens eher oberflächliche Tipps vor. Wie bist du dann tiefer in die Materie eingedrungen?

  • Durch www.spieleforum.de. Das war eines der größten Foren überhaupt – auch wenn es spieleforum.de hieß, hatten die Kategorien für alle möglichen Sachen. Ich habe mich damals wegen »Dragonball Z« angemeldet und bin anschließend auf das HipHop-Forum gestoßen, wo man sich dann ausgetauscht hat. Dort waren komischerweise sehr viele Leute aktiv, die einen total undergroundigen Geschmack hatten: Living Legends mit Eligh oder The Grouch zum Beispiel – und wenn du einen Namen kennst, dann suchst du halt im Netz nach ähnlichen Acts. 

  • »Eko Fresh war endlich mal etwas, was ich auch auf Deutsch feiern konnte.«Auf Twitter teilen
  • Hast du da auch schon Deutschrap gehört?

  • Das habe ich total verpasst. Das erste war dann »MFG« von den Fantas. Das Album »4:99« habe ich dann damals einem Freund zum Geburtstag geschenkt – auf dem Album bin ich damals total hängengeblieben. Das war saugeil – aber die Jahre danach habe ich mich wieder überhaupt nicht mit Deutschrap auseinandergesetzt. Das ging erst später mit Kool Savas los. Das kam über einen Schulkameraden, mit dem ich connectet habe, weil er Dipset gehört hat. Er hat mir dann Kool Savas gezeigt und über den habe ich dann natürlich Eko Fresh entdeckt. Das war endlich mal etwas, was ich auch auf Deutsch feiern konnte.

  • Warum?

  • Der hatte einfach dope Flows und erwähnte in jeder dritten oder vierten Punchline einen Amirapper, den ich auch kannte.

  • So ging es mir auch. Ich fand das total beeindruckend, weil er a) noch so jung war, b) diese Flows und c) dieses allumfassende Rap-Wissen hatte und das mit Lines wie »Ich brüll ›Pain is love‹…«

  • «…wie Cadillac Tah.«…

  • …ständig bewiesen hat. Auch dass er an anderer Stelle gerappt hat, er sei der »freshste Newcomer wie Fabolous Sport«. Sport war ja nur der Spitzname von Fabolous, was so gut wie niemand wusste. Das war einfach cooles Nerdwissen, das mich immer total begeistert hat.

  • Damit kriegst du mich aber auch immer. Für mich war Eko Fresh eine Zeit lang echt der Typ schlechthin. Ich hab jede Scheiße, die der gemacht hat, verteidigt. Sein Debüt »Ich bin jung und brauche das Geld« war auch noch richtig gut – und »Die Abrechnung« war in meinen Augen immer der klar bessere Song des Battles mit Kool Savas. Eko war viel emotionaler und auf den Punkt. Danach kam ja auch noch das »Fick deine Story«-Mixtape als Electro Eko. Das war sehr hart und sehr gut, ist aber leider nie offiziell erschienen, sondern später als entschärfte Version unter dem Namen »Fick immernoch deine Story« erschienen.

  • Du warst auch großer Fan von Straßenrap aus Frankfurt, oder?

  • Ja, klar. Azad, Chabs oder Lunafrow waren alle richtig gut. Dieser »Ich schreibe meinen Pein mit Blut aufs Papier«-Rap halt. (lacht) »Das Klingen von traurigen Geigen widerspiegelt unser Leiden« und so.

  • Was mochtest du an der Musik denn? »Mentale Krisen« hat ja nicht unbedingt deine Realität als Jugendlicher wiedergegeben, oder?

  • (überlegt) Ich glaube, in erster Linie waren es die Samples. Das waren alles so melancholische Sachen, die gleichermaßen schön wie traurig klangen. Dazu noch harte Raps – das war einfach geil fürs Ohr. 

  • Wenn man sich deinen Discogs-Account ansieht, dann findet man dort sehr viele rare Veröffentlichungen aus dem US-Underground. Wie bist du auf diese ganzen Sachen aufmerksam geworden?

  • Über die Seite www.ugrap.de. Die haben immer Reviews über sehr seltene Alben geschrieben. Dort habe ich mich im Forum angemeldet und eine Zeit lang auch selber Reviews geschrieben. Nils Davis, der jetzt diese »Alles wird Hood«-Reihe macht, war damals auch dort angemeldet. Die Leute im Forum haben sich ihre CDs immer direkt aus Amerika bestellt und ein paar Monate später weiterverkauft und ich habe mir dann von denen sehr viel Zug besorgt. Über Rapmazon.de habe ich auch immer viel bestellt – wobei man aber sagen muss, dass bei den Untergrund-Sachen natürlich auch viel Schrott dabei war. (lacht)

  • »Lil B hat einfach Rap gemacht, der cool war und sich um nichts geschert hat.«Auf Twitter teilen
  • Wann bist du dann selber zum Rapper geworden?

  • Das war 2011 und kam durch Lil B. Der hat einfach Rap gemacht, der cool war und sich um nichts geschert hat – der hat einfach auf Beats mit Metal-, Gabber- und Eurodance-Samples gerappt. Der hat einfach auf alles geschissen und Lo-Fi-Sound gebracht, obwohl das damals total verpönt war. Ich wusste zu der Zeit nicht mal, wie man einen Rap-Song aufnimmt. Aber als ich ihn gehört habe, wusste ich: Es ist scheißegal, du kannst das auch. Ungefähr zu der gleichen Zeit hat Lex Lugner angefangen Beats zu machen und uns gefragt, ob wir nicht Lust hätten darauf zu rappen – und das hat dann jeder von uns gemacht.

  • Wer denn alles?

  • Crack Ignaz, Däk Intellekt, DreXor und ich.

  • War das dann auch der Moment, in dem HVNUSCHPLVTZFLXW gegründet wurde?

  • HVNUSCHPLVTZFLXW gab es schon davor. Das war ursprünglich auch gar keine Crew, sondern ein Blog, auf dem wir die ganzen Rap-Sachen aus Salzburg gesammelt haben, um sie Leuten zu zeigen. Am Anfang gab es da auch noch Sachen von Leuten, die nicht bei HPF waren. Aber als wir dann angefangen haben selber Musik zu machen, war klar, dass wir ab jetzt HVNUSCHPLVTZFLXW sind.

  • Du hast aber nicht nur gerappt, sondern auch selber Beats gemacht, oder?

  • Ja, aber nur ab und an. Auf »Bullies in Pullis« mit Crack Ignaz waren ein paar Beats und auf dem ersten HVNUSCHPLVTZFLXW-Sampler »Gwantanamo Vol. 1« habe ich auch noch etwas produziert und mich danach aufs Rappen konzentriert.

  • 2012 kam dann »Elvis« von Crack Ignaz…

  • …und da haben wir alle gemerkt, dass aus ihm was werden kann. Das war für uns total seltsam. Wir haben ja zu der Zeit einfach unser Ding gemacht, überhaupt nicht hochdeutsch geredet und auf einmal haben Leute das gefeiert, die es kaum verstanden haben.

  • Zwei Jahre vorher hat schon ein anderer Österreicher ziemlich Welle gemacht. Wie hast du das damals empfunden, als Money Boy mit »Dreh’ den Swag auf« kam?

  • Das war der Hammer. Ich war damals an der Uni und Mitglied in der Studienrichtungsvertretung. Wir hatten da einen eigenen Raum, wo wir die Leute beraten haben. Hauptsächlich haben wir da aber gechillt und ich habe den Song von dem Moment an, als er rausgekommen ist, ständig gepumpt und alle Leute damit genervt. (lacht) Das Geile war ja: Rap aus Deutschland und Österreich war bis dahin immer extrem ausproduziert und professionell aufgezogen – aber Money Boy war der erste, der mit dieser Lo-Fi-Attitüde rangegangen ist. Bei Gucci Mane war das ja zur gleichen Zeit nichts anderes. Der Großteil hat gesagt: »Wie scheiße ist das denn?« Aber du hast gemerkt, dass er mit jedem seiner Freetracks besser geworden ist. Und: Man hat richtig Spaß gehabt, wenn man die Musik gehört hat. Das war perfekt für den Turn-up und zum Lachen.

  • »Humor ist heute generell viel ironischer.«Auf Twitter teilen
  • Ich habe ohnehin das Gefühl, dass Money Boy den Humor im deutschen Rap mehr geprägt hat, als vielen bewusst ist, die es unterbewusst adaptiert haben.

  • Nah, das würde ich nicht so sagen. Ich glaube, dass das einfach ein Phänomen unserer Zeit ist. Der Humor hat sich durch das Internet verändert und dann auch Einzug in den Rap gehalten. Internethumor zeichnet sich ja durch zigfache Meta-Referenzen auf irgendetwas aus. Humor wird immer abstrakter und bezieht sich auf Dinge, die man schon kennt, ist aber trotzdem indirekt und subtil. Humor ist heute generell ja viel ironischer und differentieller. Den Witz an sich gibt es ja nicht mehr, sondern es ist alles nur noch ein Bezug auf etwas anderes. 

  • Lass uns zum Schluss doch noch ein bisschen über dein neues Tape sprechen. Worum geht’s auf »Salamanderschnops«?

  • Eigentlich um das gleiche wie auf dem Solotape »Feel Me B4 Dey Kill Me«. Dieses Mal vielleicht noch eine Spur realer. Das letzte war ja auch real und aus dem Leben gegriffen, aber teilweise wurde viel mehr übertrieben. Der größte Unterschied ist wohl, dass es keine Tracks gibt, die übertrieben eine Droge verherrlichen. Mir war bei »Salamanderschnops« wichtig, diese Welt eher von ihrer realeren Seite zu zeigen, anstatt die Verherrlichung von dem ganzen Stuff.

  • Lagerfeuerknistern, verhallte Spoken-Word-Anleihen – der Titeltrack hat eine unglaublich dichte Atmosphäre. Wie bist du darauf gekommen, das Tape so zu beginnen?

  • »Salamanderschnops« war der erste Track, der für das Tape entstanden ist. Das ging ziemlich schnell. Die ersten drei oder vier Tracks haben wir innerhalb von zwei Tagen gemacht.

  • Wie kam es überhaupt dazu, dass du das Tape mit Aloof: Slangin gemacht hat?

  • Die Idee für die gemeinsamen Songs kam, weil ich die EP von Aloof: Slangin gehört habe und sie mir total gut gefallen hat. Die Themen waren recht ähnlich zu meinen und er ist in meinen Augen einfach ein extrem guter Lyriker. Aloof hat mir dann Beats von sich geschickt, wir wollten ein paar Tracks und dann eine EP machen. Dann hatten wir aber noch Beats von Lugner und irgendwann war klar, dass es ein Album werden wird, weil wir sehr gut harmoniert haben. Wir konnten dadurch viel mehr Stilrichtungen einbringen. Die ersten Tracks waren total düster, dann kamen aber auch ein paar melancholische Sachen und schließlich sogar ein paar fröhliche Tracks wie »Das Piff« dazu. Die Mitte des Tapes stellt eigentlich der Skit mit Brown-Eyes White Boy dar, der eigentlich der – auf eine sehr positive Art – melancholischste Track ist.

  • Die Beats sind bisweilen sehr melancholisch bis düster, dann gibt es aber auch mellow Songs wie »Geisel«. Wie kommt das?

  • Das war gar nicht so beabsichtigt. Lugner und ich haben bei mir zuhause mal eine Session gemacht, bei der wir zwei Beats gemacht haben: »Haazn & Henny« und »Geisel«. Die Idee war, unbedingt Beats mit Samples zu machen, die schon extrem oft im HipHop verwendet wurden. »Back To The Hotel« von N 2 Deep war die Vorlage für »Haazn & Henny« und auf »Geisel« sind wir durch »Swang« von Trae und Hawk gekommen. Den wollten wir dann auch direkt Frauenarzt schicken, weil wir wussten, dass er auch auf diese Dirty-South-Sachen steht und vielleicht Lust hat, dabei zu sein. Er hatte dann auch Bock, aber wollte es nicht auf den Beat machen, weil LL Cool J das Sample auch mal verwendet hat. (lacht) Dann haben wir ihm schnell noch einen neuen Beat gebaut.

  • Letzte Frage: Was fasziniert dich so an Bob Ross?

  • Ich mochte einfach dieses Sample, was wir für den Skit verwendet haben. Ich habe viel über ihn gelesen und der hat echt ein ziemlich trauriges Leben mit vielen Schicksalsschlägen hinter sich. Das hat er in diesem kleinen Ausschnitt, den man hört, mit einem Augenzwinkern sehr gut gesagt – und so ist uns dann auch die Idee für die Hook gekommen.

  • FlyMen9

    Super Interview 👍👍👍