The Unseen – HipHop-Portraits von Daniel Shaked

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Daniel Shaked ist nicht nur irgendein Fotograf aus Wien. Er hat die HipHop-Szene der österreichischen Hauptstadt in den letzten zwei Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt. Natürlich mit seinen Bildern von den Protagonisten der dortigen Szene, Rappern aus Übersee und nicht zuletzt durch Fotografien von österreichischen Unikaten, die Musik aus Österreich so besonders gemacht haben. Zudem gründete er 1997 das HipHop-Magazin »The Message«, das qualitativ auch über die Landesgrenzen wenig Konkurrenz hat. Die Poträt-Ausstellung »The Unseen« von Daniel Shaked ist im Oktober auch in Deutschland zu sehen. Am 07. Oktober eröffnet die Ausstellung im HHV.de Selected Store in Berlin – die Bilder sind dort bis 15. Oktober zu sehen. Für ALL GOOD erzählt Daniel Shaked die Geschichten hinter vier seiner Porträts.

Joe Zawinul

Joe Zawinul

»Der Name Zawinul schwebt in Österreich wie der imaginäre Heiligenschein über jedem Musikgespräch. Die Erfolgsgeschichte eines Mannes, der das muffige Nachkriegs-Wien verlassen und es zu Weltruhm geschafft hat. Dementsprechend magisch war das Treffen mit ihm zu einem Gespräch und Fotos. Ich wusste, es gibt nicht viel Zeit. Daher war alles schon bereit und aufgebaut. So redselig er sich gab, so karg hielt er es mit den Bildern. Lapidar warf er mir in tiefstem Wienerisch hin: ›Wir machen das jetzt wie die japanischen Touristen. Du drückst ein Mal ab und das war’s. Das find ich am Leiwandsten!‹ Widerspricht man Joe Zawinul?«

Rapsody

Rapsody

»Dass man als Fotograf nicht viel Zeit mit den zu Portraitierenden bekommt, ist Standard. Vor allem bei internationalen Acts. Im Mai 2014 spielte die damals in Europa nur Nerds bekannte Rapperin Rapsody zusammen mit Produzent 9th Wonder in Wien. Es gab die Zusage für Bilder, die jedoch in letzter Sekunde auf nach der Show verleget wurde. Normalerweise ist das die Ausrede, um sich danach so schnell wie möglich aus dem Staub machen zu können. Daher nehme ich diese Angebote auch nicht an. In diesem Fall hatte ich jedoch ein gutes Gefühl – und ich sollte mich nicht täuschen. Nach der Show spazierten ich gemeinsam mit 9th Wonder und ihr durch das nächtliche Wien und wir schoßen diese Bilder.«

Joey Bada$$

Joey Bada$$

»Die Geschichten von viel zu kleinen Backstage-Räumen und viel zu wenig Zeit, zu wenig Schlaf und anstrengendem Touren kommen alle in diesem Bild zusammen. Als ich den muffigen Backstage betrat, konnte Joey Bada$$ kaum die Augen offen halten. Schlaff hing er auf dem Sofa. Doch meine Kollegen von ›The Message‹ schafften es, ihn durch gute Fragen aufzuwecken. Zumindest soweit, dass er für die Fotos aufstehen konnte.«

Supermax

Supermax

»Die Geschichte von Kurt Hauenstein aka Supermax ist eine zutiefst österreichische. In jungen Jahren verließ er Wien, wo für ihn nichts mehr zu erreichen war, und ging nach Deutschland. Von dort aus startete er eine Weltkarriere und wurde über die Kontinente bekannt. In Österreich kennt ihn kaum jemand. Sein Disco Hit ›Love Machine‹ machte ihn unsterblich. Nach langen Jahren im Ausland war er relativ unbemerkt nach Österreich zurückgekehrt. Es sollte dennoch mehr als ein Jahr dauern, ehe ich den König des Grooves in einer absurden Schickimicki-Location außerhalb Wiens zum geplanten Fotoshooting traf. Er war dort zu einem Dinner eingeladen. Als alles aufgebaut war, holte ihn sein Manager – und plötzlich stand er vor mir in blauem Lederanzug, kristallblaue Augen und weißer Mähne. ›Serwas, ich bin der Kurt!‹ Nach anfänglichem Schweigen machte er zunehmend auf und ich lernte einen Vollblutmusiker mit viel Schmäh und Charme kennen. Erst später erfuhr ich, dass das Galadinner, zu dem er geladen war, zu Ehren des 80. Geburtstags der Mutter von Falco gegeben wurde. Kurt Hauenstein verstarb 2011 im Alter von nur 62 Jahren völlig unerwartet.«

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