Rapper's Rapper #1:
Haftbefehl über Chaker

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Mit Chaker verhält es sich ähnlich wie mit Tupac oder dem Föhn: Kann man nicht verstehen, muss man fühlen. Haftbefehl fühlt Chaker. »Was Deepness angeht, gibt es für mich in Deutschland keinen Krasseren.« Haft über Chak. Nord-West-Wiesbaden Sixty-Five trifft Süd-Ost-Offenbach am Main.

»Chaker hat seinen ganz eigenen Style, irgendwo zwischen Mobb Deep und Lunatic. Er bringt noch mal eine komplett andere emotionale Ebene mit rein. Er hat wenige Rhymes, aber sehr schwere Wörter. Wörter, die Gewicht haben. Was Deepness angeht, gibt es für mich in Deutschland keinen Krasseren!

Ich kenne Chaker schon länger, weil ich früher Geschäfte mit ihm gemacht habe. Er hatte zu der Zeit das Album mit Warheit auf Bozz Music draußen und ist damit auf MTV gelaufen. Trotzdem ist er immer zu mir gekommen, um Zeug zu kaufen, das er dann in Darmstadt vertickt hat. Ich dachte mir immer: ›Alder, der läuft doch auf MTV, warum muss der ticken?‹ Damals konnte ich das noch nicht so einordnen. Ich dachte: Alles, was im Fernsehen kommt, ist reich.

Chaker hat immer schon alles mögliche gelesen und überall etwas mitgenommen. Der ist einfach so ein Typ. Ich weiß noch, wie wir mal im Zug nach Darmstadt gefahren sind, um jemanden zu versorgen. Das war während der WM 2006 in Deutschland. Chaker hatte irgendeine Zeitschrift aufgeschlagen, und ich war grad am Packs machen. Ich meinte: ›Chaker, gib mal Zellophan‹. Er so: ›Was ist Zellophan?‹ – ›Das ist diese Plastikfolie von der Zigarettenpackung.‹ – ›Ach, das heißt Zellophan?‹ Ein paar Tage später hatte er das direkt in einen Text eingebaut. Er hat sich auch immer Seiten aus seinen Magazinen rausgerissen, in denen irgendwelche Professoren geschrieben haben. Er meinte, so etwas muss man lesen, wenn man schreibt. ›Okayyy, gibt dir bös…‹ (lacht) Ich habe so was nie gemacht.

Was Deepness angeht, habe ich trotzdem viel von ihm gelernt. Mich haben ja nicht so viele deutsche Rapper geprägt. Azad haben wir damals viel gehört – das Album ›Leben‹ war eine krasse Nummer. Später habe ich auch Crackaveli und D-Irie gefeiert, die hatten einen Song namens ›Leise rieselt der Schnee‹. Dieses Gangstarap-Ding halt. Und dann natürlich Bushido, wobei ich das erst später entdeckt habe. Geprägt hat mich das alles trotzdem nicht. Aber von Chaker habe ich mir eine Scheibe abgeschnitten, das muss ich ehrlich zugeben.«