»Nur Liebe an dieser Stelle.«
– ein Tribute-Remix für Sam

Am 17. Juli wäre Samson »Sam« Wieland 30 Jahre alt geworden. Im November 2018 verstarb er überraschend, wenige Wochen nach dem Release seines Songs »Da wo du herkommst«. Die Idee zu einem Remix gab es da bereits, jetzt haben Ahzumjot, Booz, Nura, Chima Ede, Lary, Kelvyn Colt und reezy sie umgesetzt. Hier erinnern sie sich an Sam.

SAM

Als SAM im Oktober ihre EP »Avision« veröffentlichten, wehte ein leichter Wind der Veränderung um das Rap-Duo. Zuvor veröffentlichten sie ihre Musik über Chimperator, jetzt hatten sie mit Jive ein neues Label. Ihre Musik klang gefestigter, irgendwie auch erwachsener, wobei das keine Überraschung ist, wenn man halt erwachsen wird. Chelo hatte sich als DJ und Streetwear-Macher etabliert und Sam arbeitete stetig an seiner Stellung als geschätzter Songwriter im Rap- und Pop-Betrieb. Mit Nura hatte er mit »babebabe« einen kleinen Hit. Als im September 2018 dann der Track »Da wo du herkommst« erschien, erreichte SAM Lob von allen Stellen – der Song behandelt das damals wie heute brandaktuelle Thema Rassismus auf eine besondere Art und Weise: persönlich und allgemeingültig, universell. Ein Hinweis für die Qualitäten von Sam als Songwriter und Künstler. Leider sollte er nicht die Möglichkeit bekommen, dies weiter unter Beweis zu stellen. Im November starb Samson »Sam« Wieland völlig überraschend im Alter von nur 28 Jahren.

Die Idee von einem Remix gab es bereits zur Veröffentlichung des Originals. Zum Geburtstag von Sam, der am 17. Juli 30 Jahre alt geworden wäre, veröffentlichen jetzt Booz, Nura, Chima Ede, Lary, Kelvyn Colt und reezy unter kreativer Leitung von Ahzumjot eine neue Version von »Da wo du herkommst«. Hier erinnern sich die Beteiligten an Sam.

Chima Ede
»Ich habe Sam schon vor ein paar Jahren kennengelernt. Das muss so 2015 oder 2016 gewesen sein. Wir haben uns beim splash! getroffen. Er und Chelo hatten gerade ihre ersten Sachen bei Chimperator rausgebracht, die ich super nice fand. Ich habe ihn angesprochen, wir haben ein bisschen geschnackt und wollten dann auch einen gemeinsamen Song machen. Wie es so oft ist, hat es sich ein bisschen verlaufen. Das nächste Mal habe ich ihn dann vor ungefähr zwei Jahren getroffen, als wir bei ihm zu Hause mit Haile eines der NBA-Finals geschaut haben. Wir haben einfach gechillt und uns zum ersten Mal richtig kennengelernt. Es gab auch eine sehr lustige Situation: Wir wollten bei mir im Wedding noch einen Döner holen. Wie es im Wedding halt so ist, gab es bei mir um die Ecke auf der Seestraße einen Laden, der zur Hälfte Späti und zur Hälfte Dönerladen war. Wir standen davor, haben uns angeguckt und er meinte dann: »Das kann doch nichts werden!« (lacht) Aber er hatte so einen Hunger, dass er sich trotzdem etwas geholt hat. Schon beim Essen habe ich in seinem Gesicht gesehen, dass es nicht so geil war. Wir haben einen kurzen Lachflash geschoben, sind wieder zurück und irgendwann eingepennt, während Haile noch das Spiel zu Ende geguckt hat. Aber ich erinnere mich, dass in der Runde eine sehr reine und schöne Energie war.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich von Chelo die Anfrage für den Remix bekommen habe. Abgesehen davon, dass ich auf jeden Song von ihm draufgehoppt wäre, ist das einer der Songs von ihm, den ich öfter gehört habe, weil das Thema einfach zeitlos ist. Ich finde, er hat das mit einem coolen Charme und etwas Spritzigem verpackt. Für mich war wichtig, thematisch dort anzuknüpfen und dem Track die Ehre zu erweisen, die er eh schon hatte. Noch mal nur Liebe an dieser Stelle. Eines Tages.«

reezy
»Ich habe mich auf jeden Fall verpflichtet gefühlt, meinen Teil zu diesem Remix beizutragen. Wir hatten nie so viel miteinander zu tun. Ich will mich jetzt nicht hinstellen und so tun, als wenn ich sein bester Freund gewesen wäre. Aber jedes Mal, wenn wir miteinander zu tun hatten, hat er mich zum Lachen gebracht. Sam war einfach ein fresher Mensch. Einer, der nie schlechte Vibes hatte, der immer cool drauf war und mit dem man immer Spaß haben konnte. Abgesehen davon war der Song damals schon krass und die Thematik wichtig. Der Song hätte zu diesem Zeitpunkt gar nicht besser passen können. Erstens wegen Sam und wegen dem, was in diesem Jahr alles schon passiert ist.«

Booz
»Die Verbindung zu Sam kam daher, dass ich Sam und Chelo als SAM auf ihrem Feature mit Celo & Abdi gehört und mich sofort in ihren Vibe verliebt habe. Es gab zu der Zeit noch nicht so viele Brüder, die Mucke gemacht haben, bei der ich dachte: »Nice, mit dem Swag und dem Look kann ich mich identifizieren.« Das war bei den beiden anders. Wenn ich etwas feiere, dann war ich mir nie zu schade, dass auch als Fan zu appreciaten. Kennengelernt haben wir uns dann später bei einem Basketball-Tournament von Viva con Agua, bei dem die Jungs mich komplett fertig gemacht haben. (lacht) Wenn wir uns gesehen haben, war es immer intense und es gab auf beiden Seiten diese Appreciation: »Cool, was du machst, I got you.« – und andersrum halt genau so.

Ich glaube, es gibt Leute, die viel besser mit Sam befreundet waren als ich. Aber trotzdem war es, wenn wir uns gesehen haben, immer sehr friedlich. Man merkt ja, wie zwischen manchen Menschen unterschwellige Dinge herrschen. Aber bei ihm und mir war das nicht so, sondern immer total pure. Wir haben uns immer gefreut, uns zu sehen. Wir haben dann auch noch mal Basketball gespielt – da ist es anders ausgegangen und ich habe gewonnen. (lacht) Ich glaube, wir waren beide der Meinung, dass wir uns sicher noch öfter über den Weg laufen und besser kennenlernen werden. Dazu ist es leider nie gekommen.

Ich habe »Da wo du herkommst« immer schon gefeiert. Als es dann mit der Black Lives Matter-Thematik losging und die Anfrage kam, habe ich mich sehr geehrt gefühlt und es war klar, dass ich mitmache. Das war so: Wenn die Section damit cool ist, dann habe ich auf jeden Fall eine Section, die mich versteht und ich habe die auch schon lange verstanden. SAM, Ahzumjot und OG Haile – das sind einfach alles Leute, die pure sind. Und wenn die cool sind, dass du auf so einen Track springst – gerade nach dem, was passiert ist – dann macht man, glaube ich, etwas richtig. Deshalb habe ich mich sehr geehrt gefühlt.«

Lary
»Sam habe ich kennengelernt, weil sein Bruder, er und ich mehr oder weniger beim gleichen Label waren, mit den gleichen Leuten gearbeitet haben, uns dadurch immer wieder über den Weg gelaufen sind und wir uns naturally einfach gut verstanden haben. Wir haben angefangen, privat miteinander rumzuhängen und viel zu quatschen – auch weil er gerade als PoC im Musikbusiness am Anfang einer Karriere viel zu sagen hatte. Deshalb haben wir direkt gebondet. Eine Weile später ist Sam dann nach Berlin gezogen und wir haben uns öfter gesehen. Er hat mit Leuten geschrieben und gearbeitet, die ich kenne und wir waren irgendwie Family. Ich mochte immer sehr gerne, was er gemacht hat. Seit er in Berlin war, hat er sich als Künstler und als Typ weiterentwickelt und wir sind noch mehr zusammen gewachsen. Das war sehr schön.

Den Song, den wir jetzt geremixt haben, fand ich super. Sehr unentschuldigend und sehr ähnlich, auf eine ganz selbstbewusste Art und Weise, die nicht mit dem Finger zeigt oder eine Opferhaltung hat, sondern einfach ein Song von einem deutschen PoC, der stolz und cool und trotzdem fun war. Ich fand den sehr geil, deswegen habe ich mich gefreut, dass wir ihn für Sam remixen – gerade jetzt. Gleichzeitig fand ich es wahnsinnig schwer, meinen Part zu schreiben, weil genau diese beiden Themen wahnsinnig emotional, sehr privat und intim sind – so etwas in Kunst zu verwandeln ist ein sehr anstrengender und berührender Prozess. Aber ich freue mich total, dass wir das gemacht haben. Und Sam wird es mega finden. Ich glaube, der sitzt gerade da, lacht sich kaputt über uns alle und feiert den Song.«

Kelvyn Colt
»Sam ist für mich nach wie vor jemand, von dem ich sehr viel gelernt habe und immer noch lerne. Was Leute mit mir oft als Künstler assoziieren, ist diese Positivität, Selbstliebe und Selbstvertrauen, ich selbst zu sein, dabei auch anders zu sein und nicht genau das zu tun, was alle anderen machen. Und genau das habe ich von Sam gelernt. Gerade als junger Schwarzer Mann in Deutschland, von dem alle gleich erwarten, dass du Gangster oder sowas sein musst. Sam hat einfach Songs und Projekte gedroppt, in denen es darum ging, in einer Kleinstadt groß zu werden und freundlich zu sein. Es ging um Positivity. Er hat nie darüber gerappt, Leute zu killen oder sowas.

Growing up the way I did and coming from where I’m from it gave me something… Ähnlich geht es mir mit Kid Cudi, nur dass ich bei Sam Zugang zu dieser Person hatte. Eine Person, die ein Bruder ist, ein Freund. Jemand, der mir immer geholfen hat, wann immer er helfen konnte. Er war einer der ersten Musiker, den ich in Berlin kennengelernt habe. Als ich damals zum ersten Mal nach Stuttgart gekommen bin und Bausa und Rin getroffen habe, hat Sam sich gleich gemeldet und mich gefragt, ob ich irgendwas brauche oder ob er irgendwas helfen kann. Wir waren dann auch gleich im Studio zusammen. Er war immer da, hat einen immer supportet und geholfen, er hat einem immer etwas beigebracht und sein Wissen geteilt. Wenn es darum geht, dass ein Künstler auch ein guter Mensch ist, dann ist er mein Vorbild. My brother Sam is one of my rolemodels.«

Ahzumjot
»Für mich war es auf jeden Fall eine Herzenssache, diesen Remix zu machen. Nicht nur wegen der Freundschaft zu Sam oder der Wichtigkeit des Songs. Sondern auch, weil eine der letzten WhatsApp-Konversationen, die wir im Oktober 2018 geführt haben, von diesem Remix handelte. Der Remix ist nicht einfach so entstanden, sondern weil es explizit sein Wunsch war. Ich weiß noch, wie ich mich am Tag seines Todes mit Nura und anderen Freunden genau darüber unterhalten habe, dass wir ihm diesen Wunsch erfüllen wollen – und müssen. Deshalb bedeutet es mir umso mehr, dass wir es endlich gemacht haben. Und deshalb wollte ich auch mehr als 100 Prozent in die Sache legen. Ich weiß, was Sam der Song bedeutet und welche Wichtigkeit er jetzt leider nochmal bekommen hat. Ich weiß, dass er jetzt erst recht seinen Senf dazugeben hätte. Genau das jetzt durch diesen Remix zu machen, sind wir ihm schuldig.

Weil er mir damals auch gesagt hat, dass ihm egal ist, wie lang mein Part wird, habe ich ein bisschen übertrieben. (lacht) Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass er damit nicht gerechnet hat.«

Nura
»Es war übertrieben schwer für mich, etwas auf diesen Song zu schreiben, da ich niemandem enttäuschen wollte und mir das Lied sehr am Herzen liegt. Genauso schwer war es für mich, den Part dann aufzunehmen, weil ich dabei immer an Sam denken musste. Denn immer wenn ich an ihn denke, werde ich traurig, weil ich ihn so sehr vermisse. Immer wieder. Es hat sich angefühlt, als wenn wir einen gemeinsamen Song aufnehmen würden – nur mit dem Unterschied, dass er nicht mehr da ist.

Das Thema des Songs ist aktuell und wird es immer bleiben. Für mich ist es einfach der beste Song, der sich im deutschsprachigen Raum mit Rassismus auseinandersetzt. Der Remix ist mega geil geworden und ich bin richtig happy damit. Ich bin glücklich und traurig zugleich, weil sein Tod jetzt schon zwei Jahre her ist und jeder, der Sam gekannt hat, weiß, was für ein Engel er war. Ich höre seine Lieder immer noch so oft, weil ich gerne seine Stimme höre, schaue mir unseren Verlauf an und höre seine Memos an. Er war einfach so ein toller Mensch, den wünscht man sich einfach gerne zurück. Aber so ist das Leben. Ich bin einfach froh, dass wir diesen Remix mit den engsten Leuten gemacht haben, die mit Sam dicke waren. Als ich den fertigen Song zum ersten Mal gehört habe, sind mir bei den Parts der anderen wirklich die Tränen gekommen.«

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