Young Thug Das Jahr des Thugger

Im Jahr 1 nach seinem bahnbrechenden »1017 Thug«-Mixtape und der klickmillionenschweren Youtube-Meme-Sensation »Stoner« ist es Young Thug gelungen, jegliche Eintagsfliegen-Verdächtigungen im Keim zu ersticken. Kurz gesagt: Das Jahr 2014 sah Thugger den umkämpften Thron des Atlanta-Rapgeschäfts für sich beanspruchen. Anthony Obst vollzieht rückblickend nach, wie es dazu kam.

yt-2014

Young Thugs 2014 begann, wie sollte es anders sein, kurios: Im ATL-Zweigespann mit Bloody Jay tischte er eine Ode an Portlands Basketballteam auf. Inhaltlich hatte »Black Portland« zwar genauso viel mit den Portland Trailblazers gemeinsam wie mit den heimischen Hawks (nüscht) – aber im Mixtape-Titel lag tatsächlich eine gewisse Aussage: »We’re on fire right now in the streets of Atlanta, and we’re stoners, so you know, we’re the Blazers and Atlanta is Black Portland«, versuchte es Jay dem Fader zu erklären.

Etwas sinnvoller fasste es ein Manager aus dem Umfeld der beiden zusammen: »They’re the ones that are making the sound that’s going on right now. They’re the trailblazers of the culture. Everything falls in line behind them.« Bloody Jay stand auf den Tracks zwar größtenteils seinen Mann, aber Thugs eigenwillige Delivery ließ eindeutig ihn als den Star auf dem starken Kollabo-Tape herausragen. »Black Portland« sollte die Einleitung für ein höchst produktives, von Highlights durchzogenes Jahr des Thuggers werden.

Im Anschluss an zwei eher mittelmäßige Veröffentlichungen mit Ziehvater Gucci Mane gehörte vor allem die zweite Hälfte des Jahres Young Thug. Auf der phänomenalen Single »Old English« machte er gemeinsame Sache mit Freddie Gibbs und A$AP Ferg und sammelte fleißig verärgerte Kommentare von homophoben Gibbs-Fans auf Youtube. Es ist schon erschreckend, wie im Jahr 2014 in manchen Kreisen noch immer das Wort »schwul« als Beschimpfung herumgeworfen wird und Spekulationen über sexuelle Vorlieben öffentlich die Runde machen.

Umso begrüßenswerter, dass Thugs exzentrisches Auftreten und Erscheinungsbild, losgelöst von verstaubten Männlichkeitsidealen im HipHop, eine solche Reichweite entwickeln konnte. Besonders ins Auge fiel dahingehend auch Thugs Auftritt an der Seite T.I.s bei Jimmy Fallons »The Tonight Show«. Ein viel zu kleines Großvaterjäckchen übergezogen, ein rosa Bandana in die Hosentasche gesteckt und die Frisur auf Prinzessin-Leia-Swag gedreht, machte Thugger einen weiten Bogen um jegliche ATL-HipHop-Stereotypen.

Ein stärkeres Doppelteam als mit Trap-Altmeister Gucci Mane bildete Thug im Übrigen mit Rich Homie Quan. Nominell ergänzt Birdman zwar als drittes Mitglied die Rich Gang, aber im Endeffekt ist das Projekt vor allem ein Aufeinandertreffen zwei der melodisch begabtesten Rapper der Jetztzeit. Mit Hits wie »Flava« und »Freestyle« gespickt, zeichnete sich »The Tour, Part 1« vor allem durch seinen geschmeidigen Ablauf aus. In einem Jahr, in dem viele der stärksten Veröffentlichungen eher Mixtapes als Alben waren, lieferte das erste Rich-Gang-Tape eines der Musterbeispiele für diesen Trend.

Etwas Welle machte Thug auch im Zusammenschluss mit dem aufstrebenden Produzenten Metro Boomin. Ihr angekündigtes Album als Metro Thuggin ist zwar noch nicht erschienen, aber Tracks wie »Cash Flow« und »The Blanguage« weisen auf eine starke Dynamik hin. Auf Features mit Travi$ Scott strahlte Young Thug und irgendwie haute es sogar mit Trae Tha Truth hin. Besonders »Baby« war eine in diesem Jahr zu wenig beachtete Hymne.

Bei aller Kollabo-Freundlichkeit ließ Young Thug im Jahr 2014 aber auch auf Solo-Wegen nichts anbrennen. Gleich zwei Einträge in die »1017 Thug«-Mixtape-Serie erschienen im Abstand von schlappen 50 Tagen. »1017 Thug 3« war dann solide bis ulkig, hinkte im Gesamtbild der starken Qualität seiner Vorgänger allerdings ein wenig hinterher. Auf dem im Juli veröffentlichten »1017 Thug 2« fanden sich einige der bis dato stärksten Solo-Ausflüge des Thugger: »Tell Her Nothing« war wunderbar promethazin-induzierter Minnesang erster Ordnung, »Take It« trieb Trance-Trap (mitsamt aller umliegenden Ellenbogen) auf die Spitze und »Sub Zero« machte Beethoven alle Ehre.

Sollten weitere Thug’sche Glanztaten in diesem Text eine Erwähnung verpassen, liegt es daran, dass ihr Umfang im zurückliegenden Jahr nahezu unüberschaubare Ausmaße annahm. Young Thug hatte 2014 bei einer beeindruckenden Anzahl von Projekten seine Finger im Spiel und verwandelte einen Großteil von ihnen zu Gold. Danke, Mixtape-Midas, für deine Güte in diesem Jahr. Bleib so, wie du bist.

  • dxpe

    ich habe die letzten 15 jahre viele hypes um rapper mitbekommen und überwiegend (irgendwann) auch verstanden bis gefühlt. aber bei young thug will der funke einfach nicht überspringen. mal eine thugger-hook, ok. mehr als das ertrage ich aber beim besten willen nicht.

  • fuchs