US-Rap: Wer hat den größten?

Matt Daniels

Der Designer, Entwickler und Datenforscher Matt Daniels aus New York wurde in der Vergangenheit schon öfter im HipHop-Kontext auffällig – nicht zuletzt mit seiner großartigen Aufdengrundgehung des Begriffs »Shorty«. Wer das noch nicht gesehen haben sollte, macht das bitte direkt im Anschluss.

Vorher gilt es aber, die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner aktuellen Arbeit »The Largest Vocabulary in HipHop« zu schenken, denn: auch diese ist kein bisschen weniger hilariös. Daniels hat sich dieses Mal mit der Frage auseinandergesetzt, welcher US-Rapper in seinen Texten den umfangreichsten Wortschatz bemüht – und wie die verschiedenen Kandidaten sich dabei im Verhältnis zueinander platzieren.

Als Ausgangsbasis verwendet Daniels die im Literaturbetrieb gern herangezogene, weil, vulgo: unfickbare Datenreferenz Shakespeare – beziehungsweise die ersten 35.000 Wörter sieben seiner bekanntesten Werke. Als zweite Messgröße dienen ihm die ersten 35.000 Vokabeln aus H. Melvills Epos »Moby Dick«. Anschließend setzt er die jeweils ersten 35.000 Wörter der Songs verschiedener, bekannter Rapper dazu in Relation und visualisiert das Ergebnis als dynamische Info-Grafik.

Natürlich sagt nun die pure Anzahl verwendeter Wörter alleine nicht zwangsläufig etwas über die Gesamtwirkung, geschweige denn die »Qualität« eines Künstlers aus – aber es ist schon erstaunlich zu sehen, wo sich beispielsweise ein zehn Mann starker Klan namens Wu-Tang einreiht, selbst wenn man ihn in Personalunion (!) mit in die Berechnung aufnimmt.

Ebenso bemerkenswert in dieser Aufstellung – und das sage ich persönlich mit nicht allzu großem Bedauern: die Platzierung eines für seine umfassende Hypergenialität dauergelobten Kanye West. Wenn das mal nicht wieder zu Wutausbrüchen führt.

Aber dass Daniels sich die Mühe natürlich nicht zum Zweck des Hohns oder gar mit herablassender Geste gemacht hat, sondern vielmehr ein ebenso großer wie respektvoller Fan des Genres ist, zeigt nicht zuletzt sein Kommentar zum – Achtung, Spoiler – Eloquenz-Schlusslicht DMX:

»At #85 and in last place: DMX. But this shouldn’t undermine an artist whose raw energy and honesty were the most memorable qualities of his music.«

Ganz, ganz groß, das alles. Kann das bitte mal jemand für Deutschrap machen? Als Bezugsreferenz sähe ich dann bitte gerne Max Goldt.

  • Marco

    Bei manchen Rappern ist es wie mit Shakespeare: sie schreiben ihre ihre Texte nicht selbst.