DJ's DJ #1:
Josi Miller über DJ AM

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Wenn Josi Miller, formerly known as DJane YO-C, nicht mit Trettmann auf Tour ist oder mit Helen Fares den empfehlenswerten Podcast »Deine Homegirls« hostet, gibt sie Props an echte DJs. Weil: Genau das ist nämlich auch ihr Ding. 2016 musste die Leipzigerin sich beim Red Bull 3Style lediglich ESKEI83 geschlagen geben, gerade kuratierte sie in Hamburg die Freestyle-Serie CMYKlub. Ihr Lieblings-DJ ist die 2009 verstorbene DJ-Legende DJ AM. »Er hat DJing populär gemacht«, sagt Josi. Welche Konstellation könnte besser für die erste Folge von DJ’s DJ passen? Eben.

»Während des Abis habe ich einen Promojob für das Videogame ›Rock-Band‹, ein Pendant zu ›Guitar Hero‹, gemacht. Da ich selbst mehr gezockt habe als die Kunden und einfach ein absoluter Nerd in diesem Game wurde, sollte ich auch Promo für die Spiele ›Guitar Hero‹ und ›DJ Hero‹ machen. In Letzerem war DJ AM der Main Charakter. Hier war ich DJ AM und DJ AM war ich. Damals war mir noch nicht klar, in welchem Maße mein DJ-Dasein damals schon von seiner Pionierarbeit geprägt war.

DJ AM ist der Pionier des Live-Mashup-Mixing. Er ist ein Idol für eine ganze DJ-Bewegung. Er mixte ›Wonderwall‹ mit LL Cool J und das ›Rocky‹-Theme mit Biggie. Er war der menschgewordene Mashup – wohlgemerkt mit DMC-Skillz. Zu jedem guten Track fand er einen noch besseren Drumloop, um ihn damit zu unterlegen.

Er scratchte und jugglete sich von Madonnas ›Poolparty‹ bis hin zu eigenen Club-Gigs und Konzerten von Jay-Z. Seine Routines waren für damalige Zeiten einfach wahnsinnig innovativ und mutig, weil er sich keinem bestimmten Genre verschrieb. Seine Wortplays waren so on point, dass komplett neue Verbindungen zwischen den Tracks entstanden. Er hat DJing populär gemacht.

Genau wie ich fing AM mit Schallplatten an. Ich fühle heute noch den Pain, mit vier Plattentaschen herumzureisen und jede Vinyl doppelt zu kaufen, damit man überhaupt jugglen kann. Er brauchte lediglich Technics MK2, zwei Timecode Vinyl und einen Mixer – keine extra Performance-Pads oder Effekt-Chichi – DJing in seiner Ursprungsform.

Man könnte hier natürlich noch eine große Anzahl von DJs nennen, die noch krasser body-tricksen und drei Stunden Autobahn-Scratch mit den Füßen können. Aber wo der Durchschnittsmensch bei DJ Qbert die Kunst nicht mehr erkennen kann, sind die Sets und Remixe von DJ AM für alle zugänglich. Würde er heute beim Red Bull 3Style partizipieren, würde er alle ficken.

Wie man in der, nach seinem Tod erschienenen Doku ›As I Am‹ (unbedingt checken!) sehen kann, war AM von seinen Vorbildern Jazzy Jeff und Mixmaster Mike beeinflusst. Was ich an ihm schätze ist, dass AM die DJ-Community sehr wichtig war, weshalb er mit vielen talentierten DJs kollaborierte und sich alle untereinander supporten. Das finde ich auch für die aktuelle DJ-Szene sehr wichtig.

Leider werde ich ihn nie mehr live sehen können. Aber seine energischen Sets und vor allem seine spürbare Leidenschaft und sein Verständnis zur Musik als Kunst, sind Dinge die mich unheimlich inspirieren. Sein Leben ist einfach eine krasse Story – aus der Drogenabhängigkeit zum bestbezahltesten DJ und einem überlebten Flugzeugabsturz, bis hin zu seinem Suizid. RIP AM!«